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PSD2 - Alle Fragen beantwortet

Die PSD2 ist eine neue und interessante europäische Richtlinie für Unternehmen, die den Wettbewerb auf dem europäischen Zahlungsverkehrsmarkt verstärken wird. PSD2 bricht das Bankenmonopol und ermöglicht es Unternehmen, Finanzdienstleistungen für Verbraucher zu entwickeln. Welche Möglichkeiten bietet Ihnen das also?

PSD2


Was ist PSD2?

Seit 2007 werden Zahlungsdienste in der Europäischen Union durch die PSD1 (Payment Service Directive) geregelt. Mehr als 10 Jahre später, am 19. Februar 2019, wurde die PSD2-Richtlinie mit dem Ziel der Reform des europäischen Zahlungsverkehrsmarktes eingeführt. Die Einführung von PSD2 ist eine enorme Entwicklung für Unternehmen und Verbraucher. Sie wird zu mehr Wettbewerb und Innovation auf dem Zahlungsmarkt, zu einer sichereren Abwicklung von Online-Zahlungen und zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Zahlungsmarktes führen. Mit PSD2 verlieren Banken das exklusive Recht, auf die Zahlungskonten ihrer Kunden zuzugreifen. Banken, Anbieter, Einzelhändler und Fintech-Unternehmen entwickeln derzeit neue Dienstleistungen und Anwendungen für Unternehmen und Privatpersonen.

 

Welche Änderungen gibt es gegenüber PSD1?

Verbraucher können Dritten Zugang zu ihrem Zahlungskonto gewähren. Der Dritte kann dann Zahlungen für einen Kunden starten oder eine Übersicht über sein(e) Zahlungskonto(en) erstellen. Auf diese Weise sind die Banken gezwungen, mit Dritten zusammenzuarbeiten.

Für Zahlungen mit Standard-Kreditkarten wie Mastercard und Visa, für Überweisungen, Lastschriften und iDEAL-Transaktionen entfällt der Zuschlag. Es gibt jedoch Ausnahmen wie AMEX, Diners Club und Kreditkarten für den Geschäftskundenmarkt.

Bei Vorabgenehmigungen, Lastschrift- und Kreditkartenzahlungen muss klar angegeben werden, welcher Betrag als Zwischenkaution reserviert wird. Nach der Erbringung der Dienstleistung oder des Produkts muss der Betrag der Vorabgenehmigung unverzüglich freigegeben werden. Die Vorabgenehmigung umfasst beispielsweise unbemannte Tankstellen, Autovermietungen und Hotels.

Die 3DS-Authentifizierung ändert sich. Um Online-Betrug zu verhindern, ist ein zusätzlicher Authentifizierungsschritt erforderlich, genannt "Strong Customer Authentication (SCA)".

SCA bietet ein höheres Maß an Sicherheit für Online-Zahlungen. Je nach Betrag und Zahlungsmethode werden viele Zahlungen einer zweistufigen Überprüfung unterzogen, die aus mindestens zwei der folgenden Faktoren besteht:


  • Etwas, das Sie besitzen (ein Handy oder Token)
  • Etwas, das Sie wissen (ein Pincode oder Passwort)
  • Etwas, das Sie sind (ein biometrischer Identifikator wie Fingerabdruck oder Spracherkennung)


Zwei dieser drei Faktoren müssen vorhanden sein, um SCA zu erreichen.

 

Wann wird SCA eingeführt?

Die Frist für SCA war zunächst der 14. September 2019 für alle Länder, in denen PSD2 in Kraft ist. Es hat sich jedoch gezeigt, dass nicht alle Marktteilnehmer bereit sind, SCA ab dem 14. September zu unterstützen. Das letztendliche Ziel, die Zahl der Betrugsfälle zu reduzieren, kann zu Konvertierungsverlusten und Reibungsverlusten auf dem (europäischen) Zahlungsmarkt führen.

Die niederländische Regulierungsbehörde (DNB) hat daher mitgeteilt, dass für Online-Kartenzahlungen vorerst keine zusätzliche Authentifizierung erforderlich ist. Die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) wird Anfang Oktober eine offizielle Erklärung mit weiteren Informationen über die Verschiebung für alle Beteiligten abgeben.


Was bedeutet das für mich?

Die erste Verordnung, PSD1, wurde 2007 eingeführt und ermöglichte es Nichtbanken, Zahlungsdienste wie iDEAL anzubieten. PSD2 geht noch einen Schritt weiter. Kontoinhaber können nun wählen, ob sie anderen als der Bank Zugang zu ihrem Zahlungskonto gewähren möchten. Durch diese Regelungen werden sich immer mehr Zahlungsdienstleister behaupten und miteinander konkurrieren. CM Payments ist ein Beispiel dafür. Wir wickeln Online-Zahlungen für Organisationen und Unternehmen ab. Zahlungs- und Informationsdienstleister benötigen natürlich eine Lizenz.

Diese neue Verordnung gibt Unternehmen die Möglichkeit sich weiter zu entwickeln und zu konkurrieren. Sie entwickelt neue Dienstleistungen und entwickelt neue Wege zur Nutzung bestehender Zahlungsmethoden. Als Unternehmen können Sie beispielsweise Ihren Kunden um Zugang zu seinem (Geschäfts-)Konto bitten, im Voraus prüfen, ob der gewünschte Betrag verfügbar ist und dann die Zahlung starten. Dies kann die Zahlungen einfacher und billiger machen. Als Unternehmen können Sie Apps entwickeln, mit denen ein Verbraucher seine Ausgaben budgetieren, den Wert seiner Investitionen überwachen oder Hypothekenberatung einholen kann.

 

Welche PSD2-Anforderungen muss ich erfüllen?

Wenn Sie als Unternehmen als Dritter (Zahlungs- und/oder Informationsdienst) tätig werden wollen, müssen Sie im Besitz einer Lizenz der innerhalb der Europäischen Union sein. Darüber hinaus müssen Sie natürlich die DSGVO-Gesetzgebung über den Schutz, die Speicherung und die Nutzung vertraulicher personenbezogener Daten einhalten. Dies bedeutet nicht automatisch, dass Sie Zugriff auf die Zahlungskonten der Kunden haben. Der Verbraucher muss dem Zugang zum Konto ausdrücklich zustimmen.

Dies kann nicht unvorsichtig geregelt werden, z.B. durch Ankreuzen eines Kästchens. Dritte sollten dies ernst nehmen. Man könnte sich eine Kombination aus Smartphone und Fingerabdruck vorstellen. Als Dritter haben Sie nach Erteilung der Erlaubnis maximal 90 Tage Zugang. Danach ist eine neue Berechtigung erforderlich.

 

Wie autorisiert der Verbraucher den Zugang?

Ein Dritter hat nur dann Zugang zum Zahlungskonto eines Kunden, wenn der Verbraucher seine ausdrückliche Zustimmung gegeben hat. Der Dritte muss eine besondere, von anderen Vertragsteilen getrennte Genehmigung einholen. Darüber hinaus muss die Art und Weise der Einwilligung unmissverständlich sein und die Einwilligung aktiv erteilt werden, z.B. durch die Kombination zweier persönlicher/vertraulicher Merkmale. Die Zustimmung wird pro Anbieter erteilt und gilt daher nicht automatisch für alle Dritten.

Der Verbraucher entscheidet, wer Zugang zum Bankkonto erhält und welche Apps er verwendet. Dank der Innovationswelle, die durch die Einführung von PSD2 entstanden ist, werden spezifische Apps entwickelt, mit denen Dritte beispielsweise Zugang zu den Finanzdaten eines Verbrauchers erhalten, um ihn bei Hypotheken- oder Haushaltsfragen zu beraten. Dank der strengen Aufsicht durch verschiedene Behörden und der Einführung von Gesetzen wie der DSGVO wird zudem die Privatsphäre der Verbraucher gewährleistet.

 

Welche neuen Dienstleistungen können Dritte anbieten?

PSD2 ebnet den Weg für zwei neue Zahlungsdienste: Zahlungsinitiierungsdienste und Kontoinformationsdienste.


Zahlungsinitiierungsdienste

Zahlungsinitiierungsdienstleister sind so genannte Dritte, die bei Online-Zahlungen zwischen dem Verbraucher und der Bank bleiben und die Erlaubnis erhalten, Zahlungen zu starten und Geld einzuziehen. Dies schafft Wettbewerb auf dem Zahlungsverkehrsmarkt. Das bedeutet auch, dass Sie als Webshop-Betreiber weniger abhängig von lokalen Zahlungsmethoden und Banken sind und dass Sie weniger Geld für Verträge mit verschiedenen Acquirierern ausgeben. So kann beispielsweise ein Shop eine App starten, um Lebensmittel direkt zu scannen und zu bezahlen.

 

Kontoinformationsdienste

Die Kontoinformationsdienste können auf das Bankkonto des Verbrauchers zugreifen und sich einen Überblick über dessen Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Unternehmen können damit beispielsweise ihre Kunde Finanzberatungen anbieten und ihnen helfen, ihr Ausgabeverhalten zu verstehen.

 

Wie werden die Zahlungen in Zukunft aussehen?

Die Welt der Online-Zahlungen ist bereit für eine Verlängerung. Alternativen zu Debit- und Kreditkartenzahlungen können beispielsweise mit neuen Apps entwickelt werden, die es einem Kunden ermöglichen, Überweisungen durchzuführen. Es werden neue Geschäftsmodelle entwickelt, die auf Finanzdaten zurückgreifen. Beispielsweise könnte man sich vorstellen, Transaktionsdaten auszulesen, um ein maßgeschneidertes Abonnement anbieten zu können oder die Bonität einer Person zu ermitteln.

Apps können entwickelt werden, um einen Einblick in das Kaufverhalten eines Verbrauchers zu geben, um maßgeschneiderte Werbung und Angebote zu versenden, die Erstellung und den Versand von persönlichen Zahlungsanfragen zu vereinfachen, Finanzcoaching-Aktivitäten zu entwickeln oder z.B. einen "intelligenten" Kühlschrank anzuschließen, der sich um die Bestandsführung und Bestellungen kümmert, woraufhin ein Supermarkt die Zahlung selbst starten kann. Früher war der Zahlungsverkehr ein alleiniges Vorrecht der Banken; PSD2 eröffnet den Unternehmen eine Welt voller Möglichkeiten.


Fragen und Antworten über PSD2 im Kurzformat

Was ist PSD2?

PSD2 ist eine neue europäische Verordnung, die Banken verpflichtet, Dritten Zugang zu Zahlungskonten zu gewähren.


Was ist der Zweck von PSD2?

Ziel von PSD2 ist es, einen einheitlichen Zahlungsverkehrsmarkt innerhalb der Europäischen Union zu schaffen.


Was sind die Hauptvorteile von PSD2?

Zu den Hauptvorteilen gehören die Stärkung des Wettbewerbs auf dem europäischen Zahlungsverkehrsmarkt, die Förderung der Innovation auf dem Zahlungsverkehrsmarkt und die Gewährleistung sicherer Zahlungen innerhalb der Europäischen Union.


Wann ist die PSD2 in Kraft getreten?

PSD2 ist seit 13.012018 gültig.

 

Was ist ein Dienstleister für Zahlungsinitiierung?

Ein Payment Initiation Service Provider (PISP) ist ein Dritter, der seine Bank im Namen des Verbrauchers anweisen kann, eine Zahlung auszulösen.

 

Was ist ein Kontoinformationsdienstleister?

Ein Account Information Service Provider (AISP) ist ein Dritter, der im Auftrag des Verbrauchers über Zahlungskonten bei einer oder mehreren Banken einen Überblick über Zahlungen speichern kann.

 

Wie kann ein Dritter auf ein Zahlungskonto zugreifen?

Der Dritte muss im Besitz einer Lizenz einer Aufsichtsbehörde sein und erhält erst Zugang, wenn ein Verbraucher seine ausdrückliche Zustimmung gegeben hat.

 

Wie lange ist die Berechtigung gültig?

Die Genehmigung ist 90 Tage gültig und muss dann erneuert werden.

 

Welche Möglichkeiten gibt es für Unternehmen?

Unternehmen, die sich als Dritte manifestieren, können ihre Anzeigen, Angebote und Beratungen individuell auf die Bedürfnisse ihrer Kunden abstimmen. Apps, die das Leben von Unternehmen und Verbrauchern vereinfachen. Das Internet der Dinge wächst explosionsartig, immer mehr Geräte erhalten eine eigene Verbindung zum Internet, wobei sich Dritte um die Zahlungen kümmern können.

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